Über den Dächern von La Paz – Pendeln der etwas anderen Art

Pendeln an sich ist eine anstrengende Angelegenheit: zeitraubend und nervtötend. Wie es anders gehen kann, zeigt die Hauptstadt Boliviens La Paz mit dem größten Seilbahnnetz der Welt.

Der öffentliche Nahverkehr – das täglich Leid der Großstädter

Wer kennt es nicht, das allmorgendliche Problem des Pendelns? Überfüllte Busse und U-Bahnen auf dem Weg zur Arbeit rauben einem bereits in der Früh den letzten Nerv. Ein hektisches Gedrängel ist auf den Bahnsteigen zu beobachten. Jeder versucht sich noch in den Waggon zu quetschen . Hieraus eröffnen sich mancherorts ganz neue Berufsfelder: Die Schieber von Tokio. Und wenn man dann einen Sitzplatz (Luxus!) oder zumindest einen Stehplatz ergattert hat, ist dennoch nicht wirklich von einem angenehmen Fahrerlebnis zu sprechen. Insbesondere als kleiner Fahrgast (persönliche Erfahrungswerte) hat man oftmals den Rucksack anderer Passagiere im Gesicht oder kann unfreiwillig beurteilen, wie es so mancher mit der Körperhygiene hält.

Kommt er, kommt er nicht?

 

Das alles sind jedoch Luxusprobleme verglichen mit den Strapazen die z. B. so manche Südamerikaner auf sich nehmen müssen. Ist man in den ländlichen Gegenden beheimatet, muss man sich mit recht dürftigen Fahrplänen arrangieren. Genauer gesagt ist es keine Ausnahme, dass der Bus in die Stadt nur ein mal pro Woche (!) fährt.  Oder aber man ist in einer der Metropolen zu Hause und verbringt aufgrund des unzureichenden und überlasteten Nahverkehrs mehrere Stunden täglich in diversen Bussen und U-Bahnen. Klimaanlagen haben hier im Übrigen eher Seltenheitswert, außer die Stadt richtete kürzlich ein Sportereignis von Weltinteresse aus.
Ob der Bus überhaupt kommt, ist weder auf dem Land noch in der Stadt mit Sicherheit zu sagen.

Seilbahnboom in Südamerika

Dem gegenüber steht ein neuer Verkehrstrend in Südamerika: Seilbahnen. Über die Dächer gleiten, dem Verkehrschaos entfliehen und dabei eine atemberaubende Aussicht genießen.  All das ist mittlerweile in vielen südamerikanischen Städten möglich (Seilbahnboom in Südamerika). Manche Linien haben sich sogar in Touristenattraktionen verwandelt.

Das größte Seilbahnnetz ist in Boliviens Hauptstadt La Paz zu finden (Das größte Seilbahnnetz der Welt). Die Linien verbinden unter anderem die höher gelegene Stadt El Alto (in der der Flughafen liegt) mit La Paz  im “Tal” (3.640 m ü.NN). Aufgrund der Topographie ist der Bau einer U-Bahn undenkbar. Insofern wurde der Nahverkehr bis vor einigen Jahren weitestgehend mittels Kleinbussen bewerkstelligt.

Durch die Errichtung dieser umweltfreundlichen Lösung konnten beispielsweise die ärmeren Viertel in El Alto an die Hauptstadt La Paz angebunden werden.  Jedoch wird der “teleférico” nicht nur von den Bewohnern El Altos genutzt um nach La Paz zur Arbeit zu pendeln.  Die Hauptstädter suchen dank der preisgünstigen und schnellen Anbindung im Gegenzug die höher gelegene Andenstadt auf, um beispielsweise Einkäufe auf dem größten Markt Boliviens zu tätigen. Auf Nachfrage, was sich durch den “tereférico” verändert hat, wird deutlich: Durch die schnelle Anbindung an die Hauptstadt und die gute Verbindung innerhalb von La Paz hat sich die Lebensqualität der Bolivianer spürbar erhöht. Ebenso profitiert auch die heimische Wirtschaft von dem regen, unkomplizierten Austausch zwischen den beiden Städten.

Einen anderen nicht zu vernachlässigen Nebeneffekt haben die Seilbahnen darüber hinaus auch noch: Dank der Beleuchtung der Seilbahnen ging auch die Kriminalität in gewissen Gegenden zurück. Schließlich können Kriminelle sich nun nicht mehr im Schutz der Dunkelheit bewegen, da die Beleuchtung der Seilbahnen selbst dunkle Ecken der Stadt erhellt.

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    Anna Röder Verfasst von: