So baust du dein E-Auto selbst

Willst auch du jetzt elektrisch fahren? Dafür brauchst du nicht mal ein neues E-Auto. 1-2-SCIENCE sagt dir, wie’s geht, was es kostet und ob sich das lohnt.

Seit ich bei einem E-Auto Pionier gearbeitet habe, bin ich absolut begeistert von der Elektromobilität. Ich würde gerne elektrisch fahren, kann mir aber keines der aktuell verfügbaren Modelle leisten. Kann ich vielleicht meinen Benziner zum Elektroauto umbauen? Und macht das überhaupt Sinn? Mal googeln… Ich fahre einen Mini… und siehe da: den kann man umbauen! Eine Familie aus Oberbayern hat’s getan – die Rossmys aus Bad Endorf. Da muss ich hin!

Mach’s elektrisch: Elektroauto DIY

Die Familie Rossmy hat also einen Mini als Benziner gekauft und selbst zum Elektroauto umgerüstet – das gleiche Modell wie mein Auto, nur ein paar Jahre älter. So kompliziert kann das doch dann gar nicht sein, oder? Ich treffe die Elektrofans zu Hause in Bad Endorf. Der E-Mini läuft super, fährt sich toll, und sie nutzen ihn als ganz normales Alltagsauto: zum Einkaufen, für den Weg zur Arbeit, Schule, was man halt mit einem Auto so macht.

Für die Rossmys war der Umbau ein Familienprojekt, motiviert durch Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz, erklärt der Vater Reinhard Rossmy. Aber es gibt auch weniger romantische Gründe, über Elektro nachzudenken. Weißt du, ob du mit deinem Verbrenner bald überhaupt noch in deine Stadt fahren darfst? Feinstaubalarm, Dieselgate und Co.  – das fragen sich viele Autofahrer, und zumindest um den Diesel machen sie einen Bogen. In Paris darf bereits ab 2024 kein Diesel und ab 2030 sogar überhaupt kein Verbrenner mehr in die Stadt fahren. 

DIY E-Auto Dreh bei Familie Rossmy in Bad Endorf

Reichweite und Aufladen

Das will jeder wissen: Wie weit kann ich fahren, wo lädt er und wie lange? Im Sommer hat der E-MINI 120 km Reichweite und im Winter ca. 80 km. Rossmy erklärt, dass die Kapazität des Akkus wie beim Smartphone im Winter deutlich sinkt – nicht nur wegen der Kälte sondern weil auch die elektrische Heizung Strom zieht. Laden kann man das Auto an jeder normalen Steckdose, über Nacht ist er wieder voll. Bei den Rossmys kommt Strom auch noch von der eigenen Solaranlage, das gibt natürlich nochmal Extrapunkte in Sachen Nachhaltigkeit
Familie Rossmy mit ihrem E-MINI

Der Umbau zum Elektroauto

“Das war ein Familienprojekt, in 25 Arbeitstagen á 8 Stunden haben wir den MINI selbst zum E-MINI umgebaut.”

Paulinus Rossmy

Umbau in 25 Arbeitstagen? Das klingt ja super easy. Einen Monat Arbeit reinstecken und schon kann ich elektrisch fahren… wenn’s so einfach wäre. Die Rossmys sind nicht nur E-Auto Fans sondern auch technisch ziemlich fit. Sie haben technische Jobs, den Platz und einiges an Werkzeug. Und Freunde, die auch mal mit Rat und Tat zur Seite stehen, sagt Sohn Paulinus Rossmy.

Vor dem TÜV und dem Gesetz sind dagegen alle gleich. Auch den E-Mini hat der Prüfer ganz genau angeschaut, und er hat auch noch eine Probefahrt gemacht. Er hat gecheckt, ob die verbauten Teile CE zertifiziert sind und ob überall orange Kabel verwendet wurden, um etwa der Feuerwehr zu signalisieren, dass es sich um ein E-Auto handelt. Am Ende ging der E-Mini ohne Probleme durch. Alles richtig gemacht.

Welche Teile braucht man dafür? Es gibt Umbausätze fertig zu kaufen – Rundum-Sorglospakete sozusagen – da ist alles aufeinander abgestimmt und passt. Wer sowas richtig einbaut, kann davon ausgehen, dass es auch mit dem TÜV und im Alltagsbetrieb gut klappt. Wenn man lieber basteln will und sich gut auskennt, kann man natürlich auch alles einzeln zusammenstellen: Motor, Batterien, Kontrolleinheit, Ladegerät, viele Kabel, Stecker und Zubehörmaterial. Das macht die Sache dann allerdings beim TÜV komplizierter.

So sieht der elektrifizierte MINI von innen aus

Lohnt sich der Umbau finanziell?

Die Kosten – wie so oft beim E-Auto: Teuer in der Anschaffung aber günstig im Unterhalt.

Was kostet der E-Mini? Reinhard Rossmy erklärt, damals habe der Umbau inklusive Kauf des Verbrenners ca. 20.000 Euro gekostet. Heutzutage würden die Kosten ca. 18.000 Euro betragen, da die Kosten für das Material sinken.

Die laufenden Kosten: Wie so oft bei E-Autos: Die laufenden Kosten sind weitaus geringer als beim Verbrenner. Vor dem Umbau hat der Mini für 100 km Benzin im Wert 10 Euro verbraucht. Wenn Rossmy den umgebauten E-Mini mit Ökostrom tankt, sinken die Kosten auf 5 Euro. Mit Strom aus Eigenproduktion aus Solar kosten 100km nur noch 2 Euro pro 100 km! Auch bei Versicherungs- und Inspektionskosten spart Famlie Rossmy deutlich. Das E-Auto hat deutlich weniger Verschleißteile, braucht z.B. keinen Ölwechsel und keine AU. Am Elektromotor kann auch kaum etwas kaputtgehen.

Also: Kann ich mir das als Studentin leisten? Das lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Man braucht ein Benzinauto zum Umbauen, Zeit, Material, eine Garage, Werkzeug und technische Kenntnisse. Sofern das vorhanden ist, halten sich die Kosten einigermaßen im Rahmen. Sollte man wie ich keine ausreichenden technischen Kenntnisse haben, muss man einen “Umbauer” beauftragen – das kostet natürlich einiges mehr.

Die Anfangsinvestition ist also sehr hoch und ich kriege sie nur bei sehr langem Gebrauch wieder rein – dank der geringeren laufenden Kosten.

Eine zweite Meinung…

Ich bin skeptisch und frage jemanden, der sich mit sowas ebenfalls gut auskennt: Unseren Experten von der OTH Prof. Anton Haumer von der Fakultät  Elektro- und Informationstechnik: Macht es wirklich Sinn, seine Benzinkutsche zum E-Auto umzubauen? Haumer muss es wissen, in seiner Fakultät hat ein Team schon 2012 einen Smart zum E-Auto umgebaut. Der DIY E-Smart der OTH Regensburg ist seitdem als Experimentalobjekt im Einsatz, wird weiterentwickelt und ist auch immer wieder Gegenstand von Abschlussarbeiten und anderen technischen Projekten.

Für Prof. Haumer ist ein Umbau zum Elektroauto ökologisch sehr wohl sinnvoll, weil wir zum Beispiel fossile Brennstoffe einsparen. Ob es auch ökonomisch für den Autobesitzer sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab. Auch Haumer betont, dass der Umbau nicht ohne ist und man hierfür technische Begabung mitbringen sollte – vor allem, wenn man keinen fertigen Umbausatz benutzt. Also ist das was für Bastler, Technikfreaks oder Autoliebhaber, die mit ihrem Auto auch in Zukunft in die Innenstadt fahren möchten. Wer sich auskennt, kann mit einem Selfmade-Umbau billiger zu einem E-Auto kommen als mit einem Neuwagenkauf.

Tipp: Je älter das Fahrzeug desto leichter der Umbau! Also: am besten eine gut erhaltene, ältere Kiste besorgen und die umbauen. Haumer erklärt, dass in neueren Autos die Technik so komplex ist, dass der Umbau nur noch sehr schwer bist gar nicht mehr möglich ist.

Dreh mit dem E-Smart und Prof. Dr. Haumer

Wird mein MINI jetzt ein E-MINI?

Den E-MINI der Familie Rossmy finde ich echt richtig cool. Aber ich traue mir so einen Umbau technisch nicht zu. Garage und Werkzeug habe ich auch nicht. Hier wäre also ein professioneller Umbauer gefragt. Von denen gibt es zwar genügend, aber die kosten auch wieder extra, und dann kommt eine Summe zusammen, für die ich mir gleich ein neues E-Auto kaufen könnte, z.B. einen Renault ZOE.

Und da sind wir wieder beim Problem: Ich würde ja gerne elektrisch fahren, kann mir aber im Moment kein neues E-Auto leisten…

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