Regionales Superfood? Für dich?

Du magst: Avocado, Acai und Goji Beeren oder Chiasamen… Superfood, genau! Und hast du auch schonmal von Himbeeren oder Heidelbeeren gehört? Naklar – aber vielleicht nicht, dass die oft genauso viel können wie ihre exotischen Verwandten, und sie sind auch noch billiger und netter zu Klima und Umwelt.

In diesem Artikel verrate ich dir

  • Wann Superfood gar nicht so super ist
  • Was du von regionalen Superfoods hast
  • Bayerns geheimen Superfood-Kalender

Was an Superfood nicht super ist

Wusstest du, dass Superfood auch super-negativ sein kann? Wirtschaftsexperte Prof. Alexander Ruddies von der OTH Regensburg erklärt, wie der Anbau von Superfood in fernen Ländern die Umwelt belastet, wo in so manchen Regionen industrielle Methoden schon den traditionellen Anbau verdrängen.

Die Folgen:

  • Wasserverschmutzung durch Pestizide
  • Bodenerosionen
  • Verarmung  der Böden
  • Wassermangel bei künstlicher Bewässerung
  • höhere Umweltverschmutzung 

Hinzu kommt, dass auf den langen Transportwegen auch viel Kohlendioxid entsteht, ebenso wie bei der Produktion der Superfoods.

Allerdings: Über ein Drittel des vom Lebensmittelverkauf im Markt verursachten Kohlendioxids produzieren wir Kunden auf der Fahrt zum Supermarkt. Am Ende des Artikels findest du das vollständige Interview mit Prof. Dr. Ruddies.

Hier kannst du deine eigene Co2-Bilanz, die du mit Lebensmittel produzierst, ausrechnen. 

Was tun? Mit dem Rad zum Einkauf, mit Bus oder Bahn. Und: Lieferwege verkürzen. Vor allem aber  Superfood von hier kaufen oder gleich aus dem eigenen Garten holen. Gibt’s sowas? Naklar, und wir haben schon einige probiert, nicht nur beim 1-2-SCIENCE Superfood-Event an der OTH Regensburg.

Euch hat’s geschmeckt, uns hat’s geschmeckt, warum also nicht viel öfter mal Superfood Bavarian Style?

Unser Superfood

Superfoods wachsen auch bei uns. Sie sind oft sogar günstiger als die extra importierten Exoten. Wenn du Superfood regional kaufst, hilfst du nicht nur der Umwelt und dem Klima, sondern auch deiner Heimat, sagt Ökonom Ruddies. Du unterstützt den Bauernhof vor Ort und nicht die Agrarfabrik in Brasilien oder Mexiko. Du hilfst dabei, traditionelle Pflanzen und das Gesicht deiner Landschaft zu erhalten.

Außerdem weißt du eher, was du isst. Oder ist dir klar, wie es mit dem Pestizideinsatz in den Anbauländern der importierten Superfoods aussieht? Die  Biolandwirte Lydia Hecht und Martin Wiethaler sagen: Zwar gibt es bio auch woanders, in manchen Ländern aber sind die Auflagen niedrig. In Deutschland gelten dagegen relativ strenge Standards. Den Siegeln der Bioverbände hier kannst du also vertrauen. 

Dein Superfood-Kalender für 2019

Gesund ernähren, nachhaltig, saisonal frisch, und nicht zu teuer: Wäre das nicht mal eine Idee fürs neue Jahr? 

Wenn ja, könntest du das sogar relativ einfach umsetzen, denn bei uns (und daher vermutlich auch bei dir, außer du liest das hier in Timbuktu) wachsen viele Superfoods, z.B. Kürbisse oder Himbeeren! Die kannst du dir je nach Saison immer frisch von regionalen Bauern in deiner Nähe holen. Aber auch in Supermärkten und Bioläden.  Oder, und das ist nun wirklich cool: Beim Selbsterntegarten in deiner Nähe, sowas gibts immer öfter, und wenn du ein bisschen suchst, wirst du auch bei dir einen finden.. Da kannst du dir deine Gesundmacher frisch ernten und weißt genau, woher sie kommen. Bei uns gibts auch einige, zum Beispiel den Wurzelgarten.

Und damit du’s noch einfacher hast, habe ich einen Kalender für dich gebaut, der dir für jeden Monat ein Superfood aus Bayern liefert. Warum aus Bayern? Weil wir von 1-2-SCIENCE da herkommen :-). 

Januar: Grünkohl

stimmungs-aufhellend

entzündungs-hemmend

ballaststoffreich

stärkt das Immunsystem

Februar: Lauch

stärkt das Immunsystem

senkt das Osteoporose-Risiko

ballaststoffreich

krebs-vorbeugend

März: Spinat

stärkt das Immunsystem

unterstützt Funktion von Nerven und Muskeln

unterstützt Sauerstoff-transport

unterstützt die körpereigene Zell-teilung

April: Spargel

entzündungs-hemmend

hormon-stimulierend

antibakteriell

Einsatz bei Krebs-behandlungen

Mai: Radieschen

stärken das Immunsystem

unterstützt Sauerstoff-transport

antibakteriell

unterstützt die Zellteilung

Juni: Bohnen und Erbsen

senken das Osteoporoserisiko

Tumorprävention

Unterstützung des Sättigungsgefühls

ballaststoffreich

Juli: Himbeeren

unterstützen Sauerstoff-transport

Stärken das Immunsystem

beseitigen zellschädigende freie Radikale

hoher Gehalt an Eisen, Magnesium und Phosphor

August: Heidelbeeren

Alzheimer-Prävention

Stärken das Immunsystem

beseitigen zellschädigende freie Radikale

Krebsvorbeugung

September: Brokkoli

Hilft bei Atemwegs-entzündungen

Stärken das Immunsystem

Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Unterstützt bei der Zellteilung

Oktober: Kürbis

Unterstützt die Blutbildung

Stärkt Haare, Haut und Nägel

Tumorprävention

Unterstützung körpereigener Entgiftung

November: Walnuss

Entzündungs-hemmend

Stärkt Haare, Haut und Nägel

Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Verbessert Konzentrations-fähigkeit

Dezember: Rotkohl

Unterstützung körpereigener Entgiftung

Stärkt das Immunsystem

Unterstützt die Zellteilung

Unterstützt das Nervensystem

Mein liebstes Heimat-Superfood gibts übrigens das ganze Jahr: Leinsamen! Die sind super für Gehirn und Augen und enthalten wertvolle Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren. 

Hast du schon Erfahrungen mit heimischem Superfood oder auch ein paar Rezepte? Ich würde mich freuen, wenn du sie mit uns teilst, am besten hier auf unserer 1-2-SCIENCE Facebookseite.

Im Interview: Prof. Alexander Ruddies über Superfood und Externe Effekte

Wenn ich eine Avocado esse, ist das super für mich, aber ziemlich übel für andere Menschen. Zum Beispiel für die Bevölkerung im Anbaugebiet, die sich nicht wehren kann gegen den Verlust ihres Trinkwassers oder massive Umweltveränderungen. Wenn ich das Superfood esse, verursache ich sozusagen Kosten für andere: Für mich sind das externe Kosten, weil ich sie gar nicht trage. So etwas nennen Volkswirte “Externe Effekte”, wir von 1-2-SCIENCE haben darüber auch schon ein

Experte für Externe Effekte: Prof. Alexander Ruddies von der OTH Regensburg

Professor Alexander Ruddies von der OTH Regensburg ist Experte für solche Phänomene, ich habe ihn zum Interview getroffen.

1-2-SCIENCE: Gehen vom Trend Superfood externe Effekte, also negative Auswirkungen für andere aus?

Prof. Alexander Ruddies: Die in den letzten Jahren gestiegene Nachfrage nach Superfood bringt einige externe Effekte mit sich.

So kommt es oftmals zu einer Belastung der Umwelt in den Anbauländern. Traditionelle Anbaumethoden wurden in einigen Regionen durch industrielle Methoden verdrängt. So kommt es dort zu Wasserverschmutzungen durch Pestizide, Bodenerosionen und nachlassende Fruchtbarkeit der Böden, Wassermangel in einigen Regionen im Fall künstlicher Bewässerung usw. Es kann auch zu externen Effekten durch höhere Umweltverschmutzung aufgrund des Transports von Superfood kommen.

1-2-SCIENCE: Was bringt es unserer Volkswirtschaft, regionale Produkte zu kaufen?

Prof. Alexander Ruddies: Verglichen mit regionalen Alternativen ist importiertes Superfood sehr teuer. Der Kauf regionaler Produkte spart den Haushalten damit Geld, das für andere Verwendungen zur Verfügung steht. Auch profitiert die Volkswirtschaft unter Umständen davon, wenn die Umwelt weniger verschmutzt wird, weil die Lieferwege kürzer sind. Allerdings macht der Transport nur einen Teil bei der Frage nach der Umweltbelastung durch CO2-Emissionen aus. Denn rund 40% der CO2-Emissionen im Lebensmittelmarkt gehen allein von der Fahrt der Haushalte mit ihren PKWs zu den Supermärkten aus. Weitere 40% der Emissionen fallen nur durch die Produktion der Lebensmittel an.

Auch die Betriebsgröße ist hier relevant. Schließlich können regionale Produkte eine nachhaltige Entwicklung unterstützen. Dies reicht vom Erhalt von Kulturregionen und traditioneller Pflanzen und Nutztieren bis zum Erhalt krisenfester Produktionsstrukturen.

1-2-SCIENCE: Ist die „Nicht-Unterstützung“ regionaler Unternehmen durch den Kauf von importiertem Superfood ein negativer externer Effekt und schädigt somit unsere Volkswirtschaft?

Prof. Alexander Ruddies: Die negativen externen Effekte sind insbesondere in den Anbauländern zu spüren. Die „Nicht-Unterstützung“ regionaler Unternehmen an sich ist kein externer Effekt. Diese Unternehmen stehen ja im Wettbewerb mit den Anbietern importierter Superfoods und sind damit keine unbeteiligten Dritten. Wenn sich allerdings regionale Anbieter nicht am Markt halten können und damit ein Verlust von regionalen Kulturlandschaften einhergeht, kann dieser Verlust als negativer externer Effekt interpretiert werden.

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