Köpfe: Julia Poppe – Auf der Reise zu sich selbst

Ich muss schon zweimal hinsehen, als ich Julia Poppe nach über sieben Jahren wieder treffe. Wir waren damals auf demselben Gymnasium – und da habe ich sie ganz anders in Erinnerung. Nun bin ich neugierig auf Julia, die jetzt an meiner Hochschule arbeitet – und die OTH Regensburg nachhaltiger machen will.

Genauso wie ich Julia in Erinnerung habe, startet sie nach dem Abi durch – als motivierte BWL-Studentin. Ihr Ziel: Karriere in einer großen Unternehmensberatung! Julia will die Welt entdecken, reisen, nach vorne kommen. Sie jettet durch die Welt und kommt ganz schön herum.

Das Auslandssemester in Asien bringt Julia Poppe auf andere Gedanken, und sie setzt sich zum ersten Mal richtig mit sich selbst auseinander. Merkt, dass ihr andere Dinge wichtiger sind. Sie erlebt hautnah, in welchem Zustand sich die Welt befindet und beginnt, sich Fragen zu stellen. Wie will ich leben? Wie passt das in die Welt? Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger für sie.

Tu, was du willst

Wie sagen die Profs immer? “Schreib über das, was dich auch wirklich interessiert!” Julia schreibt über Nachhaltigkeit – in ihrer Thesis “Nachhaltige Entwicklungen an Hochschulen” bei Prof. Sandra Hamella. So kann sie ihr Lieblingsthema mit ihrer Bachelorarbeit verbinden – und bekommt dann die Chance, damit sogar nach dem Studium weiterzumachen: Als wissenschaftliche Hilfskraft soll sie sich intensiv um das Thema Nachhaltigkeit an der Hochschule kümmern. Jetzt hat Julia nicht nur über das geschrieben, was sie interessiert, sie wird auch noch das tun, was sie wirklich will.

Doch bevor es losgeht mit dem Nachhaltigkeitsjob an der OTH Regensburg, zieht es die Oberpfälzerin erst einmal auf eine Berghütte über dem Tegernsee. Nicht zum Partymachen, eher im Gegenteil: Julia lernt, autark zu leben. Spüren, was es heißt, mit wenig Ressourcen auszukommen. Sparsam und nachhaltig zu leben. Vor allem zeigt das Leben auf der Berghütte Julia: “Egal wer man ist und egal wie man ist, viel wichtiger ist Gelassenheit und ein guter Humor!” Und ganz wichtig ist es, jeden Abend gut zu essen :-).

Gut Essen auf der Alm (Foto: Pixabay)

Vegan, mal mehr, mal weniger….

“Und jetzt? Arbeitet Julia wieder unter Menschen – und hat ihr Thema zum Beruf gemacht. Sie kümmert sich um neue Müllkonzepte an der OTH Regensburg, befasst sich mit nachhaltiger Bewusstseinsbildung bei Studierenden oder einer Nachhaltigkeitszertifizierung für die Hochschule. Julia sagt: “Man darf nicht nur über das Thema reden und schreiben, das Wichtigste ist, dass man Nachhaltigkeit in die Realität umsetzt!” Zum Beispiel: Nachhaltigkeit müsse ein Pflichtfach im Studium werden – in allen Fakultäten. Die Hochschule müsse klimaneutral wirtschaften. Und es bräuchte eine Anlaufstelle für alle nachhaltigen Initiativen, von denen es ja durchaus einige gibt an der Hochschule. Um solche Dinge kümmert sie sich nun im Job.

Und privat? Wie nachhaltig lebt jemand, der tagtäglich im Job für die Nachhaltigkeit arbeitet? Zum Beispiel vegan – mal mehr, mal weniger. Julia Poppe fliegt nicht mehr. Stimmt nicht. Aber sie fliegt nicht mehr so häufig. Eigentlich lebt Julia ziemlich normal, und sie weiß selbst, dass sie nicht der nachhaltigste Mensch auf Erden ist.

Julia möchte auch niemandem vorschreiben, wie er zu leben hat. Wichtig ist ihr, dass sie selbst jeden Tag lernt, wie sie ihr Leben nachhaltiger gestalten kann, es Stück für Stück besser zu machen. Essen, Kleidung, Kosmetik… die Nachhaltigkeit steckt im Detail. Das Wichtigste im Alltag? Plastikfrei zu leben, besonders beim Einkaufen. Das ist oft gar nicht so einfach, selbst nachhaltiges Essen wie Tofu oder Hafermilch ist plastikverpackt. Einfacher geht’s im Bad – ein Seifenstück ist so gut wie Duschgel oder Shampoo. Cremes selber herstellen? Dazu fehlt wieder die Muße. Und die Klamotten? Da entwickelt sich Julia immer mehr von der Shopping-Queen zur Minimalistin. Eine Garderobe reicht ihr heute völlig aus, um ihre Klamotten unterzubringen. Kaum zu glauben, wenn ich mich an die “alte” Julia aus Schulzeiten zurückerinnere. Am liebsten kauft sie heute Second-Hand, nicht nur weil es nachhaltiger ist, sondern weil sie es einfach cooler findet.

Bild: Julia Poppe – Pride Chicago

Das Dilemma: Fliegen vs. Reisen

Das Dilemma mit dem Fliegen: Kann Julia auf ihre Reisen verzichten? Denn aus Nachhaltigkeitssicht geht Fliegen natürlich gar nicht, und jeder Flug ist einer zu viel, kompensieren hin oder her… Julias Kompromiss: Wenn schon Fliegen, dann wirklich nur für einen längeren Zeitraum. Also nicht nur für ein, zwei Wochen, sondern wenn, dann schon mehrere Monate. Und vor Ort engagiert sich Julia für nachhaltige Projekte.

Klar, kann Julia sich vorstellen, eines Tages auf das Fliegen zu verzichten. Aber noch ist da zu viel zu entdecken auf der Welt. Ihr nächstes Ziel: Indien.

Nachhaltigkeit ist auch für dich ein Thema?
Werde Teil des Netzwerks Nachhaltigkeit an der OTH Regensburg.
Hier lang bitte >>>

 

Neueste Beiträge

Neueste Kommentare

    Archive

    Kategorien

    Meta

    Laura Schwaegerl Verfasst von: