√Ėffentliche Verkehrsmittel: So f√§hrst du in Zukunft

Dein Mobilit√§tsassistent hat’s perfekt organisiert: Der¬†fahrerlose Bus holt dich p√ľnktlich vor deiner Haust√ľr ab und bringt dich zum M√ľnchner Hauptbahnhof. Dort steigst du in eine Art Rakete um, die dich in einer Vakuumr√∂hre auf Schallgeschwindigkeit beschleunigt. Eine Stunde sp√§ter spuckt dich die Flaschenpost in Hamburg aus. Du steigst auf einen E-Kickscooter und schwebst in die City. So machen √∂ffentliche Verkehrsmittel Spa√ü.

Nein, das ist kein Science-Fiction – sondern schon bald Realit√§t. Was hei√üt “bald”: Einfache Mobilit√§tsapps gibts schon heute, der¬†Hyperloop ist in Entwicklung und mit dem autonomen Bus bin ich selber gefahren. Wie sich das anf√ľhlt, was er schon kann und was noch kommt, erf√§hrst du hier im Video:

 

√Ėffentliche Verkehrsmittel der Zukunft: Meine Favoriten

F√ľr diesen Blog habe ich mich auf die Suche danach gemacht, was uns in Zukunft bewegt – also von A nach B – und zwar √∂ffentlich. Und da gibt’s ja so einige Ideen: Stadtseilbahnen, Magnetschwebebahnen, Robotertaxis

Technisch am meisten beeindruckt hat mich tats√§chlich der Hyperloop. Der Zug der Zukunft, der mit Schallgeschwindigkeit durch eine R√∂hre schie√üt.¬†Aber den Hyperloop wird es nat√ľrlich nicht √ľberall geben – nur auf gro√üen Strecken. Es hat ja auch nicht jedes Dorf einen internationalen Flughafen.

In Dorf und Stadt wird’s auch in Zukunft so etwas wie Busse geben m√ľssen, und da st√∂√üt man schnell auf ein weiteres spannendes Konzept, das vermutlich noch fr√ľher kommen wird als die Bahn mit 1.000 km/h: Autonome E-Busse, die flexibel unterwegs sind und auch dort hinkommen, wo Massentransport normalerweise nicht hinkommt: Vielleicht sogar bis vor die eigene Haust√ľr! In der 5.000 Seelen Gemeinde Bad Birnbach mitten im l√§ndlichen Niederbayern f√§hrt Deutschlands einziger Autonomer Bus auf der Stra√üe – ich bin hingefahren und hab es hautnah erlebt. Irre! Dazu sp√§ter…

Die eigentliche Revolution f√ľr den Verkehr der Zukunft kommt allerdings recht leise daher: Die Digitalisierung f√ľr alles und alle! Mobilit√§tsapps, -bots und -assistenten, die mir in jeder Situation das optimale Verkehrsmittel suchen und buchen. Gibt’s auch schon, aber die Entwicklung ist erst am Anfang und wird die Art, wie wir unterwegs sind, wohl am radikalsten ver√§ndern.

Der Hyperloop ‚Äď Reisen in der R√∂hre

So könnte der Hyperloop irgendwann einmal aussehen
So k√∂nnte der Zug der Zukunft einmal aussehen –¬† Quelle:¬†Hyperloop TT

Diese Revolution konnte ich nat√ľrlich noch nicht testen: Den Hyperloop. Er stammt sozusagen von der Magnetschwebebahn¬†ab, wobei der Hyperloop nicht nur schwebt sondern auch noch in einer luftleeren R√∂hre dahinrast. Wie in einer riesigen Flaschenpost¬† sollen Menschen in Transportkapseln mit √ľber 1000 km/h reisen k√∂nnen, genauso schnell wie in einem Airbus A38! Allerdings soll der Hyperloop kosteng√ľnstiger und umweltfreundlicher sein, behauptet jedenfalls sein Initiator¬†Elon Musk.

Mehrere Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten an Konzepten und Prototypen. Hyperloop TT begann im April 2018 mit dem Bau der ersten Teststrecke in Europa. In Toulouse soll noch in diesem Jahr die 320 Meter lange Teststrecke in Betrieb genommen werden. Richard Branson’s¬†Hyperloop One¬†er√∂ffnete 2017 eine 500 Meter lange Teststrecke und stellte¬†mit etwa 390 km/h einen Geschwindigkeitsrekord auf. Das Ziel, mit dem Hyperloop Metropolen zu verbinden, liegt jedoch noch in ferner Zukunft. Denn neben der R√∂hre ben√∂tigt man auch passende Pods, wie die Eisenbahnwaggons der Zukunft hei√üen: Die Kapseln, in denen die Menschen durch die R√∂hre schie√üen.

Bei der Entwicklung der Pods spielt Elon Musk mit seinem Unternehmen SpaceX eine entscheidende Rolle und veranstaltet regelm√§√üig sogenannte Pod Competitions. Teams aus aller Welt treten mit Designideen und Prototypen gegeneinander an. Und 2017 konnte sich eine Gruppe Studenten der TU M√ľnchen mit dem schnellsten Pod durchsetzen.

Auch die passenden Strecken f√ľr das Verkehrsmittel von morgen werden bereits gesucht. Damit der Zug so schnell wird, braucht der Hyperloop lange Anlaufstrecken, und so macht das auch nur √ľber l√§ngere Distanzen Sinn. Deshalb soll der Hyperloop Metropolen verbinden. Hyperloop One hat bereits per Wettbewerb¬†die zehn vielversprechendsten Routen gek√ľrt. Deutschland war noch nicht dabei, wenigstens war Berlin-Hamburg im Finale.¬†

Der autonome Bus in Bad Birnbach

Der autonome Bus der DB in Bad Birnbach - ein Verkehrsmittel der Zukunft
Ein revolutionäres Verkehrsmittel РDer autonome Bus in Bad Birnbach wartet auf seine nächste Fahrt

Daf√ľr haben wir in Niederbayern ein viel greifbareres Konzept am Start. Den Autonomen E-Bus der Deutschen Bahn – den einzigen der in Deutschland auf √∂ffentlichen Stra√üen f√§hrt. Solche Verkehrsmittel werden wir im Alltag wohl h√§ufiger sehen als Z√ľge in Schallgeschwindigkeit.¬†

Schon seit Oktober testet die Deutsche Bahn im beschaulichen Kurort Bad Birnbach den autonomen Bus, wobei er nicht ganz allein auf sich gestellt ist, denn es f√§hrt noch ein Operator mit. Der begleitet jede Fahrt – denn nach T√úV-Vorgabe darf ein autonomes Fahrzeug in Deutschland nicht ohne Aufsicht fahren. Er √ľberwacht den Verkehr an un√ľbersichtlichen Stellen, kann Hindernisse im Notfall umfahren und steht nat√ľrlich den neugierigen G√§sten mit interessanten Informationen zur Seite.

Der fahrerlose Bus stammt vom französischen Start-up EasyMile und ist mit modernsten Sensoren, Kameras und GPS ausgestattet, die ihn mit einer Genauigkeit von 2 Zentimetern steuern. Das kriege ich nichtmal beim Einparken hin.

Mit¬†seinen Batterien kann der Bus bis zu 14 Stunden auf der Stra√üe bleiben – je nachdem wie stark die Klimaanlage arbeiten muss. Obwohl er theoretisch mit bis zu 40 km/h fahren k√∂nnte ist er aktuell auf 15 km/h gedrosselt, was¬† f√ľr den “Stadt”verkehr Bad Birnbachs auch v√∂llig reicht und sich √ľbrigens deutlich schneller anf√ľhlt als man denkt. Im Grunde f√ľhlt man sich wie in einem normalen Bus oder Taxi im Stadtverkehr.

Ein Raumwunder ist den Bus seinen sechs Sitzplätzen nicht gerade, doch die Fahrgäste sind trotzdem begeistert, schon 10.000 Passagier hat der kleine Bus transportiert. 

Einen Unfall gab es leider auch schon: Ein Rentner fuhr den stehenden Bus beim r√ľckw√§rts Ausparken an. Ein kleiner Schreck und ein Blechschaden, zum Gl√ľck nix Schlimmeres.¬†Mit der neuen Technik hatte das nichts zu tun, und nicht einmal der Operator konnte den Zusammensto√ü verhindern.

Warum eigentlich autonom?

Aber warum will man denn √ľberhaupt die Busfahrer los werden? Weil es langfristig vermutlich sicherer ist, flexibler – und billiger. Autonome Kleinbusse k√∂nnen beinahe wie Ruftaxis arbeiten und auch in Ecken kommen, die sich f√ľr gro√üe, starre Riesenbusse nicht lohnen w√ľrden, schon allein wegen der hohen Personalkosten im Omnibusverkehr. Mobility-Experte¬†Martin Randelhoff¬†erkl√§rt mir,¬†dass die Personalkosten etwa ein Drittel der Kosten ausmachen. Da f√ľhrt die Umstellung auf fahrerlose Systeme nicht nur zu Einsparungen sondern eben auch dazu, dass bisher unrentable Angebote auf einmal m√∂glich werden. Busfahrer wird es je nach Anwendung aber sicher weiterhin geben. Auch der Operator des Bad Birnbacher Busses Hartmut Kratz von der Deutschen Bahn glaubt nicht, dass er alle Busfahrer arbeitslos macht: K√ľnftig w√ľrden ja auch zus√§tzliche Leute etwa in Leitstellen gebraucht, die wie Fluglotsen den √∂ffentlichen Verkehr steuern und √ľberwachen.¬†

Und wann fahren wir nun im Alltag mit autonomen Bussen herum? Vermutlich dauert das noch weitere 10-15 Jahre, glaubt Kratz, und ähnliches hört man auch von den Entwicklern des Systems.

App statt Auto?

Trafi App: Screens (via iTunes)

Die eigentliche Revolution (zumindest sehe ich das so) ist aber schon da. Sie befindet sich unter anderem auf dem Smartphone: Mobilit√§tsapps und -Assistenten. Das ganze in Verbindung mit der Individualisierung der √∂ffentlichen Verkehrsmittel. Klingt wie ein Widerspruch in sich: Wie soll ein √∂ffentliches Verkehrsmittel individuell werden? Zum Beispiel mit dem autonomen Ruftaxibus, siehe Bad Birnbach. Oder mit integrierten L√∂sungen, die den Mix aus √∂ffentlichen und individuellen Verkehrsmitteln erst erm√∂glichen. “Multimodal” heisst das Zauberwort, das man immer √∂fter h√∂rt: Die Verbindung von Ride- und Carsharing (noch mehr zum Megatrend Sharing √ľbrigens¬†hier), Fahrradstationen, Taxi am Boden und in der Luft, Bus und Bahn, vielleicht auch irgendwann der Hyperloop – alles soll in Zukunft zusammenspielen.

Einen Quantensprung in diesem Bereich liefern Mobilit√§tsapps. Die heute schon wohl am weitesten entwickelte¬†L√∂sung in diesem Bereich ist Trafi. Die App wei√ü in Echtzeit, wo sich jeder Bus und jedes Taxi der Stadt aktuell befindet. Sie kennt au√üerdem alle Car-Sharing Autos und alle Fahrrad-Mietstationen. Trafi zeigt dem Nutzer sofort den schnellsten, g√ľnstigsten oder wahlweise komfortabelsten Weg an sein Ziel. Bezahlt wird nat√ľrlich auch per App, also kein l√§stiges Anstehen mehr an Fahrscheinautomaten!¬†In k√ľrzester Zeit konnte sich Trafi von Vilnius √ľber die ganze Welt ausbreiten. Von Jakarta und Taipei √ľber Ankara und Istanbul bis S√£o Paulo und Rio de Janeiro ‚Äď √ľberall wird der √∂ffentliche und private Personenverkehr neu definiert.¬†

Nur in Deutschland wieder nicht…?

Wir haben kein Trafi. Viele Städte und Verkehrsbetriebe lassen nicht auf die benötigten Echzeitdaten zugreifen. In Hamburg und Stuttgart kann man zwar mittlerweile die App Moovel nutzen, die Рähnlich wie Trafi РBus, Bahn, Taxi und Carsharing vereint. Auch das Zahlen funktioniert komplett per App. Wann aber andere mittelgroße Städte wie Regensburg von Mobilitätsapps wie Trafi und Moovel profitieren können ist noch nicht gewiss. 

Allerdings – Rettung naht ausgerechnet aus Br√ľssel: Die EU will per Gesetz daf√ľr sorgen, dass die Revolution stattfinden kann, und zwar schon in zwei Jahren:¬†Die Verordnung¬†2017/1926 fordert nationale Datenplattformen f√ľr alle Verkehrsmittel ab etwa 2020. Ganz egal ob Taxi, Flugzeug, Bahn, Fernbusse oder jede Art √ĖPNV – alle sollen k√ľnftig ihre Daten offenlegen und zur Verf√ľgung stellen. Auch¬†Daten zu Radwegen (sowie deren Beschaffenheit), Fahrpl√§nen, Bike- und Carsharing-Stationen und Tankstellen werden zusammengef√ľhrt.¬†Die Verordnung soll die Bereitstellung EU-weiter “multimodaler Reiseinformationsdienste” sichern – hier ein ausf√ľhrliches Dokument dazu vom Bundesministerium f√ľr Verkehr und digitale Infrastruktur.

Das klingt wirklich abgefahren, und es ist erstaunlich, dass noch kaum jemand dar√ľber berichtet hat, daher auch kein weiterf√ľhrender Link an dieser Stelle. Immerhin entsteht da doch auch eine neue Datenkrake, wir werden noch gl√§serner und noch leichter zu tracken, egal, wie wir uns bewegen.

Mobility-Experte Martin Randelhoff findet allerdings, dass es das durchaus wert sein könnte, wie er im Video erklärt.

Das ganze Interview mit dem Mobility-Experten Martin Randelhoff rund um die Mobilit√§t der Zukunft findest Du √ľbrigens >>> hier

 

Hyperloop, Autonome Busse und Datenkraken im Dienst der Mobilit√§t – ich bin sehr gespannt, was davon wann Wirklichkeit wird und woran es am Ende vielleicht doch wieder scheitert. Aber vielleicht k√∂nnen wir diese Schritt ja auch √ľberspringen und beamen uns in Zukunft einfach von A nach B? Kein Witz, sondern vielleicht nur eine Frage der Zeit, erkl√§rt dir meine Kollegin Lisa >>> hier!

 

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    Florian Steinbauer Verfasst von: