Köpfe: Hamid, syrischer Auslandsstudent an der OTH

Premiere für unsere neue Reihe 1-2-SCIENCE Köpfe! Wir stellen dir interessante Menschen von der OTH Regensburg vor, die uns beeindrucken. Los geht`s mit Hamid aus Aleppo, Bauingenieur-Student, Tutor und Liebhaber des bairischen Dialekts. Ja echt, der Hamid ko Boarisch schmatzn!

„Servus, i bins, der Hamid und da bin i dahoam“ ist bestimmt nicht die Begrüßung, die ich von einem Studenten aus Syrien erwartet hätte. Ich treffe den 22-jährigen auf dem OTH-Campus, wir sitzen am See und haben von Anfang an Spaß. Hamid liebt es, seinen bayerischen Wortschatz zu präsentieren.

Gelernt hat er’s auf der Baustelle, wo er sein Vorpraktikum gemacht hat: “Glang ma moi an Hammer umma!” Das klang erstmal wie japanisch in seinen Ohren.

Das neue Leben in Deutschland

Drei Jahre ist Hamid jetzt hier, geflüchtet aus der Hölle von Aleppo. Er war alleine, kannte sich nicht aus und verstand erstmal gar nichts. Zuhause in Syrien war er ein sehr guter Schüler gewesen, Lieblingsfächer Mathe und Physik.

Daran will er anknüpfen und in Deutschland studieren. Vorher muss er aber erstmal Deutsch lernen. Und natürlich für die Baustelle: Boarisch for Runaways. Schließlich schafft er’s an die OTH Regensburg und studiert jetzt als Auslandsstudent im dritten Semester Bauingenieurwesen. “Wenn der Krieg vorbei ist, kann ich mit dem Studium helfen, mein Land wieder aufzubauen“, sagt Hamid, der seine Heimat liebt, die Sprache, die Freunde, das Essen, das er doch vermisst. Er hat syrisch kochen gelernt in Deutschland.

Bis er zurück kann in die Heimat, ist er erstmal in Ostbayern “dahoam”, kommt inzwischen gut zurecht mit seinem Leben in Regensburg und an der OTH. Bis dahin war es ein steiniger Weg. Das Zulassungsverfahren für ausländische Studienbewerber ist komplex, und es müssen dutzende Formulare und Anträge ausgefüllt werden. Da gehört die “Vorabprüfung durch die Arbeits- und Servicestelle für internationale Studienbewerbungen” noch zu den spannenderen Teilen des Verfahrens. Zum Glück helfen uni-assist e.V. oder die Leute vom Akademischen Auslandsamt weiter – mit Rat und Tat und Infobroschüren.

Pack mer’s o!

Hamid schlägt sich durch den bayerischen Bürokratie-Dschungel. Er ist ein Anpacker mit sonnigem Gemüt, das lässt ihn nicht verzweifeln. Er spricht jetzt deutsch und arabisch (und wie gesagt, auch ein bisserl bairisch), erfüllt die amtlichen Anforderungen und sucht eine Aufgabe: “Ich möchte meine Erfahrungen an Gleichgesinnte weitergeben”.

Er fängt selbst an, als studentische Hilfskraft beim Akademischen Auslandsamt der OTH, berät nun selbst ausländische Studienbewerber und Studierende. Ihre Probleme, Ängste und Sorgen kennt Hamid ja nur zu gut. Anne Groll vom Akademischen Auslandsamt hilft er bei Veranstaltungen und übersetzt bei Sprachproblemen ins Arabische.

Hamid und Souliman, Teilnehmer am Tutorium

Als ich Hamid nach Tipps für ausländische Studienbewerber frage, lacht er und nennt drei: Pünktlich sein, die richtigen Unterlagen dabei haben und auf jeden Fall immer ein freundliches Lächeln, wenn man vor einem Beamten steht.

Hamid hat Spaß an seinem Job, es macht ihn glücklich, dass seine Hilfe ankommt, wie er mir stolz erzählt. Viele seiner “Schützlinge” studieren inzwischen an der OTH – mit seiner Hilfe.

Bayern meets Syrien

Einige von Ihnen trifft er wieder – als Tutor für Baumechanik. Hamid’s zweiter Job. Das Fachgebiet ist seine Stärke und er hat Spaß daran, Dinge zu erklären. Wichtig für ihn: „Ich nehme Rücksicht auf jeden einzelnen Studenten und erkläre alles Schritt für Schritt. Auch wenn das etwas länger dauert“. Und so erklärt Hamid in einfachen Worten, was er selbst gerade erst gelernt hat. Auf deutsch, eher nicht auf bairisch – aber zur Not auch auf arabisch. So rechnet Hamid gemeinsam mit den Kommilitonen Übungsaufgaben, sie klären komplizierte Fachthemen oder lösen alte Prüfungen.

Das kommt gut an und spricht sich auf dem Campus herum. So wurde aus der Gruppe, die ausschließlich für geflüchtete Aulandsstudenten gedacht war, eine internationale Veranstaltung: Inzwischen sitzen in Hamids Tutorium auch 10 deutsche Studierende. Das ist gelebte Diversity – an der OTH Regensburg.

Hamids Zukunft – Bayern oder die Welt?

Vielleicht will Hamid ja mal selbst Professor werden, verrät er mir grinsend. Vorher aber erstmal die Welt sehen: „Ich möchte gerne mein Praxissemester in Dubai machen und dabei die Sonne des Nahen Ostens genießen“. Und dann in den Beruf einsteigen oder vielleicht einen dualen Master machen. Vor allem aber will Hamid seine Freunde wiedersehen und seine Familie. Syrisch essen. Und sein Land wieder aufbauen. 

So, das war er nun, der erste “Kopf”. Fällt Dir auch jemand ein, den wir mal unbedingt vorstellen sollen? Dann schick uns eine Mail oder schreib es gerne in die Kommentare!

Etwa 70 Geflüchtete studieren an der OTH in Regensburg. Viele können Hilfe gebrauchen bei diversen alltäglichen Dingen. Wenn Du dich ehrenamtlich engagieren möchtest: Die Studierendeninitiative CampusAsyl von OTH und Uni Regensburg unterstützt geflüchtete Auslandsstudenten mit vielfältigen Projekten.

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