E-Scooter sind geil – mit einem Problem

Ich laufe nicht zum Bus, ich schwebe! Schnell und lautlos durch die Stadt – auf einem E-Scooter. Der elektrische Kickscooter macht richtig Spaß, ist leicht, lässt sich ganz einfach zusammenklappen und tragen, und er stört auch keinen. Bis auf die Polizei. Doch dazu später.

E-Scooter, E-Longboards und E-Onewheels, das sind coole, elektrische Gadgets für die Fortbewegung in der Stadt. Sie könnten ein Problem lösen, das viele Menschen davon abhält, mit Bus oder Bahn zu fahren: Die sogenannte letzte Meile nervt, der Weg von und zur Bushaltestelle. Da fährt man lieber Auto.

Trotzdem sind die praktischen E-Gadgets, wie wir sie bei 1-2-SCIENCE nennen, im Straßenverkehr verboten. Warum nur? Was passiert dir, wenn du damit erwischt wirst und wie fahren sie sich überhaupt? Darum geht’s in diesem Blogpost und im Video

ÖPNV, die letzte Meile und die Scooter

Warum nochmal fahren die Leute lieber Auto? Weil’s einfacher und bequemer ist, trotz Stau und Parkplatzsuche, trotz Stickoxid und Feinstaub. Laut einer StepStone Studie fährt nur ein Drittel aller Pendler mit den Öffentlichen. Der Rest findet den ÖPNV teils zu unflexibel, teils zu langsam. Vor allem nervt die schlechte Anbindung sogar in Großstädten. Dem könnte doch geholfen werden – zumindest ein bisschen, zumindest für die Anbindung von und zum ÖPNV. Wenn schon der Bus nicht zu mir kommt, komme ich eben zum Bus, und zwar schnell, lokal emissionsfrei, einfach und vor allem so, dass die letzte Meile auch Spaß macht.

E-Gadgets – welches wär’s für dich?

Ob du Onewheel fährst oder Segway, Longboard oder Scooter – letztlich ist es Geschmacksache. Mit meinen Kollegen vom 1-2-SCIENCE Team haben wir getestet, welches Tool für uns das beste für die letzte Meile wäre. Der Scooter hat das Rennen gemacht. Er bietet den besten Mix aus Spaß, Sicherheit und Alltagstauglichkeit, ist einfach zu fahren und es passt auch einigermaßen beim Preis-Leistungsverhältnis.


Unser Testscooter war übrigens ein Micro für knapp 1000 Euro. Das ist viel Geld – verglichen mit Billigscootern, die es auch schon für 200 Euro gibt. Aber die sind deutlich schwerer und nicht so gut zusammenzuklappen, haben schlechtere Akkus, fahren sich schlechter und sehen (wie ich finde) auch nicht so gut aus.

Mit dem E-Scooter in die Stadt?

Dann fahre ich in die Stadt – mit Bus und Scooter. Mal testen, wie sich’s anfühlt. Zur Bushaltestelle fahren, Roller zusammenklappen und in den Bus einsteigen. Das funktioniert alles einwandfrei, ich kann die knapp 10kg leicht tragen, und das Zusammenklappen dauert nicht einmal 10 Sekunden. Andere Fahrgäste sind nicht genervt sondern eher neugierig, wollen wissen, wie sich der Scooter fährt, ob das erlaubt ist, was er kostet, und natürlich die Reichweite. Es sind 10-15 km, also mehr als ausreichend für die Stadt.

Der Spaß endet beim Aussteigen, denn da treffe ich auf  Polizeioberkommisar Sven Buhl von der Polizei. Ich darf nicht weiterfahren mit meinem tollen Scooter. Der sei nämlich ein Kraftfahrzeug ohne Betriebserlaubnis und entspreche nicht den verkehrsrechtlichen Vorschriften. Mir droht ein Bußgeld und sogar ein strafrechtliches Verfahren. Herr Buhl könnte jetzt meinen Roller sogar beschlagnahmen, mein Führerschein ist in Gefahr (das liegt im Ermessen der Behörden) und nicht auszudenken, wenn ein Unfall passiert: Angenommen, ich fahre jemanden über den Haufen, bin ich ruiniert, denn ich hafte und der Roller ist ja nicht haftpflichtversichert. Herr Buhl, der sich mit solchen Fahrzeugen auskennt, erklärt mir, dass sie gar nicht so sicher sind, wie sie auf mich wirken: Hoher Schwerpunkt, schwache Bremsen – wenn einem da jemand plötzlich vor die Räder springt, haben wir beide schlechte Karten.

Zum Glück habe ich Herrn Buhl von der Polizei nicht zufällig getroffen, wir hatten das natürlich ausgemacht, denn ich wollte mal aus erster Hand wissen, wie das läuft mit den E-Scootern im Straßenverkehr. Also keine Angst um meinen Führerschein und ich darf den Roller auch wieder heimschieben. Aber gut zu wissen, dass mit der Polizei in Sachen E-Gadgets echt nicht zu spaßen ist.

Polizeioberkommisar Sven Buhl hält uns wegen dem E Scooter auf
POK Sven Buhl verhindert unsere Weiterfahrt mit dem E Scooter

Problemland Deutschland?

Ich verstehe trotzdem nicht so ganz, was so wirklich das Problem ist. Gerade war ich in Prag, da fahren ganz viele Leute mit den Scootern herum. Auch in vielen weiteren Ländern sind E-Tretroller unterwegs, es ist zwar gesetzlich unterschiedlich geregelt, aber es scheint doch zu funktionieren. Und für manche E-Gadgets wie z.B. Segways und größere E-Tretroller gibt es ja auch bei uns das OK für die Straße. Warum also nicht für die kleinen und wirklich auch praktischen Gadgets, die man dann eben auch im Bus transportieren kann?

In Kalifornien dürfen E-Kickscootern und E-Longboards schon seit 2015 überall  fahren, wo auch Fahrräder erlaubt sind, man kann sie dort auch ganz einfach ausleihen, was auch seine Schattenseiten hat und zu einer richtigen E-Scooter-Schwemme führt .

Dänemark, Schweiz, Österreich, Norwegen oder Belgien ordnen PLEVs (Personal Light Electronic Vehicle) in die Klasse der Fahrräder ein. In Singapur dürfen E-Kick-Scooter und E-Longboards auf Fußwegen mit bis zu 15 km/h und auf Radwegen mit bis zu 25 km/h fahren.

Sind die deutschen Behörden überängstlich? Oder traut man uns Bürgern weniger zu als österreichischen Verkehrsteilnehmern? Das Problem ist bei uns offenbar, dass motorbetriebene Fahrzeuge, die schneller als 6 km/h fahren, als Kraftfahrzeuge eingestuft werden und somit den Vorschriften der Fahrzeugzulassungsbehörde unterliegen. Eine Nutzung auf öffentlichen Straßen ist nur dann erlaubt, wenn die Fahrzeuge zugelassen und versichert sind und darüber hinaus der Fahrer einen Führerschein hat.

Legalize it

Es ist ja nicht so, dass bei uns alle Behörden gegen die Scooter wären. Bundesländer wie Hamburg drängen die Regierung, die Regelungen für E-Scooter & Co zu lockern. Hamburg möchte sogar Modellregion für PLEVs werden. Man macht sich dafür stark, dass E-Tretroller so behandelt werden wie Pedelecs (E-Bikes), das heißt: ohne Führerschein und Nummernschild. Allerdings ist eine Regelung des Verkehrsministeriums seit 2016 in Planung und lässt weiter auf sich warten.

 

Danke übrigens 🙂 Die Testfahrzeuge für unseren Beitrag kamen von Micro Mobility (E-Scooter: Micro Eagle X3), Mellow Boards (E-Longboard: Mellow Board Surfer) und Electrowheels Regensburg (Ninebot One E+, Ninebot Mini Pro 320).

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    Florian Nothaft Verfasst von: