Warum sind viele Kinder glücklicher als Erwachsene?

Ich wache auf. Es ist 9:30 Uhr, Montagmorgen. Zum Glück habe ich Urlaub, also kann ich ganz entspannt in den Tag starten. Kein Stress im Büro, keine langen ToDo-Listen mit Aufgaben, die am Freitagnachmittag erledigt sein sollen. Eigentlich wollte ich heute so richtig lange ausschlafen…

Ich schaue aus dem Fenster und überblicke den prall gefüllten Pausenhof der angrenzenden Grundschule. Kinder laufen wild hin und her, verstecken sich, berichten sich gegenseitig ganz euphorisch von ihren Erlebnissen am Wochenende. Einige sitzen und genießen ihr mit Liebe geschmiertes Pausenbrot, andere lachen- Rundum: Die meisten sind sehr glücklich.

Ich sitze immer noch am Fenster und ertappe mich: Moooooooment?! Bin ich neidisch? Oder eher wehmütig?

Ich bin nicht alleine

Wenn ich meinen Blick auf die andere Straßenseite richte, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Erwachsene hetzen die Gehwege entlang, telefonieren, auf dem Weg zur Arbeit noch schnell einen Kaffee To-Go, Zeit für ein ausgiebiges Frühstück bleibt sowieso nie (aber das ist auch kein Problem, denn die fehlenden Nährstoffe werden einfach mit einem Superfood-Smoothie kompensiert!). Es ist offensichtlich: Viele Kinder sind glücklicher als Erwachsene.

Die Frage nach dem Warum

… ist vermutlich am ehesten evolutionsbiologisch zu beantworten.

Erwachsene haben eine stärker kognitiv orientierte Art, Dinge zu erleben. Sie ordnen alles sofort in ein Spektrum von Wissen und Wertesystemen ein. Damit relativieren sie häufig alles direkt, wenn es passiert. Erwachsene sind viel gehemmter und in der eigenen Wahrnehmung eingeschränkter durch ihre Umwelt, als Kinder fähig sind zu sein. Kinder sind übermäßig emotional, positiv sowie negativ. Sie erleben Positiverfahrungen intensiver, aber ebenso erleben sie Negatives, Schmerzen und Enttäuschungen stärker. Kinder nehmen die Welt weniger abstrakt und stärker konkret wahr. Sie wägen kaum Vor- und Nachteile ab, sondern erleben sehr stark die konkrete Situation.

Kinder verarbeiten Ereignisse anders

Kinder haben einen geringeren Erfahrungsschatz, gegen den sie ihr aktuelles Empfinden vergleichen können.  Daher erleben sie die aktuelle Situation vielleicht extremer als ein Erwachsener, der sie gegen viel mehr Erfahrungen relativieren kann und sich sicher ist, dass die Situation bald vorbei sein wird. Von daher: Ja, Kinder nehmen Positivreize viel stärker wahr. Aber nein, im Erwachsenenalter so zu denken und handeln, wäre mehr als problematisch, denn „Hemmungen“ aller Art und die starke Unterordnung unter übergeordnete moralische Systeme sind für ein „erwachsenes“ Verhalten nach wie vor unabdingbar.

Nicht jedes Kind ist glücklich

Ja, Kinder die in einem positivem Umfeld aufwachsen, in dem sie nicht viel mit Schmerz, Leid und Enttäuschungen konfrontiert werden, sind glücklicher als Erwachsene in der gleichem Umgebung. Denn sie machen sich um nichts sorgen, außer das hier und jetzt. Aber das heißt nicht automatisch, dass jedes Kind glücklich ist… Kinder die im Krieg aufwachsen, Hunger leiden oder von ihren Eltern vernachlässigt werden, sind auch im gleichen Maße unglücklich oder traumatisiert.

Es ist also keine Magie, dass viele Kinder glücklicher sind als Erwachsene. Denn Kinder sind für ihr Glück nicht selbst verantwortlich. Für eine unbeschwerte Kindheit brauchen sie vor allem eines: Menschen, die sie lieben und ihnen einen Grund geben glücklich zu sein.

Kathi und Sarah

Alles kann ich schaffen für nichts bin ich zu klein
doch eines kann ich gar nicht und das ist Traurig sein
Nichts kann mich erschüttern bin immer super drauf
glücklich wie ein Kind ich gebe niemals auf

 

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Katharina Paulus Verfasst von: